Soll ich?

(Warum) Solltest Du Elektro- und Informationstechnik studieren?

Vielleicht stellst Du Dir diese Frage, wenn Du das hier liest. An dieser Stelle lasse ich meine persönliche Geschichte einfließen, wie ich dazu gekommen bin, dieses Studium aufzunehmen. Vielleicht findest Du Dich in Teilen darin wieder. 🙂

Mein Vater (der ebenfalls Elektroingenieur ist) hat mir schon als Kind oft hier und da kleinere und größere „elektrotechnische“ Dinge erklärt. Wie funktioniert der Binärcode, dieses Eins-Null-Gewirr, mit dem Computer Daten speichern? Wie funktioniert eine Festplatte? Und wie eine CD? Wieso wird ein Akku nicht schwerer, wenn er aufgeladen wird?

Fragen wie diese habe ich ihm damals gestellt und auch beantwortet bekommen, damals noch aus reinem Interesse. Verstanden habe ich es damals mehr schlecht als recht, aber irgendwas blieb immer irgendwie hängen. Mathematisch war ich völlig unbegabt, die Faszination für die elektrotechnische Materie war aber durchaus da. Ich baute Lego-Roboter, zog mit einem Freund eine Webseite mit selbst programmierten Spielen und einer eigenen Community auf, fing beim Radio an, lernte dort das Auflegen, Audiotechnik und Verkabelung – Technik hat mich fasziniert und ich habe immer neue Facetten davon kennengelernt und angewendet. Ab der achten Klasse klappte es dann mit der Mathematik auch besser.

Als ich mein Abitur auf dem Land, also noch fernab von München und der TUM, abgeschlossen hatte, stand ich dann da, wie viele, wenn das Abitur frisch in der Tasche gelandet ist: Wie soll es jetzt weitergehen? Ich habe mich dann einfach für Elektrotechnik eingeschrieben, ohne mich im großen Stil zu informieren. Etwas anderes kam eigentlich gar nicht in Betracht – auch wenn die Studienberatung am Kapuzinerplatz mir tatsächlich dazu riet, Journalismus, Jura oder Volkswirtschaftslehre zu studieren.

Ich wurde angenommen und wurde zum Mathematik-Vorkurs eingeladen. Diesen habe ich dann drei Wochen lang absolviert und bin dann ins Studium gestartet. Dort stellte ich fest: Das Lernen von Stoff an einer Universität unterscheidet sich im Grundsatz von dem Lernen an der Schule. Es geht deutlich schneller. So unbefriedigend das für den Moment aber auch klingen mag: Man gewöhnt sich daran. Nicht, „weil es halt so ist“, sondern dadurch, dass man in kürzerer Zeit mit so vielen anderen zusammen so viel Neues lernt.

Mathe bekommt das erste Mal eine Struktur und die drei großen Disziplinen aus der Oberstufe vereinen sich auf einmal – wer hätte gedacht, dass die verhasste Stochastik sehr viel mit der meist deutlich beliebteren Differentialrechnung zu tun hat, wenn man tief genug in das Thema blickt – beispielsweise im Rahmen der Vorlesung „Stochastische Signale“ im dritten Semester? Wer hätte gedacht, dass man Integrale auch im dreidimensionalen Raum beispielsweise entlang von Kurven, Flächen, dass man sogar Volumina integrieren kann – beispielsweise in meinen Tutoriumsfächern braucht man genau das so gut wie dauernd. Dass auf einmal eine mathematische Struktur im Kopf zu wachsen beginnt, fühlt sich gut an, und man blickt dann teilweise dahinter, wo Mathe-Lehrer an der Schule sich schwer tun, Stoff verständlich zu vermitteln. Alles, was man in der Schule lernt, lässt sich aus höheren Gebieten der Mathematik anschaulich herleiten. Den Schülern wird aber vieles nicht hergeleitet, sondern einfach präsentiert. An der Universität werden diese „Lücken“ geschlossen.

Ganz klar, und beabsichtigt ohne Notengrenzen zu erwähnen möchte ich aus eigener Erfahrung erwähnen: Für das Studium der Elektrotechnik sollte man sich nicht bewerben, wenn man von sich behauptet, sehr bis extrem schlecht in Mathe zu sein. Ich nenne bewusst keine Mathe-Abiturnote, bis zu der es meiner Meinung nach geht und ab wann nicht mehr. Wer gerade so durchs Abi durch kam mit einer schlechten Mathe-Note, der muss einiges aufholen. Dazu reicht der angebotene Mathe-Vorkurs nicht, der immer vor dem Start im Wintersemester angeboten wird, denn der setzt direkt an der 12. Klasse an und vertieft den Stoff. An der TU lernt man in diesem Studienfach sehr viel Theorie, und das bedeutet: sehr viel Mathematik.

Falls Du nun eher das Gesicht verziehst und Elektrotechnik eher deswegen studieren möchtest, weil die Jobaussichten gut sind – dann solltest Du es lassen. Es gilt im Arbeitsleben und auch schon im Studium: Was du studierst und später arbeitest, das muss dir Spaß machen. Hast Du keinen Spaß, wird es nichts. Das gilt nicht nur für die Elektrotechnik, sondern für alle Studiengänge, alle Lehren, Ausbildungen und sonstigen Bildungswege, die man einschlagen kann.

Falls Dir Mathe aber Spaß macht, Du eine grundsätzliche Begeisterung hast am Lernen, an Technik und an Wissenschaft und Forschung, dann empfehle ich Dir aus meiner ureigenen Erfahrung: Probier es aus!

Falls Du Dich nach meinem Erfahrungsbericht (noch) nicht wirklich abgeholt fühlst, rate ich Dir dennoch: Probier es aus. Jeder ist verschieden – vielleicht musst Du Dich nur mal ein paar Tage oder sogar mal ein paar Wochen inspirieren lassen und kannst dann eine Entscheidung treffen.